
"Münster kann etwas ordnungswidriges Flair ganz gut gebrauchen."
Flohmarkt: Fehler müssen korrigiert werden
Vor allem das umstrittene Verbot des beliebten Nachtflohmarkts traf bei einer SPD-Bürgerversammlung in der Gaststätte "Zum Himmelreich" auf scharfe Kritik von Seiten der zahlreich erschienenen Bürger. Auch das neue Internet-Anmeldeverfahren wurde vielfach kritisiert. Fragen zur Müllbeseitigung und Beleuchtung scheinen demgegenüber vergleichsweise einfach lösbar. SPD-Fraktionschef Wolfgang Heuer will sich nun für eine Korrektur einiger der neuen Regeln einsetzen.
Hier der Bericht der WN zur Veranstaltung:
"Flohmarkt kaputt"
Die Frage an die Adresse von Dr. Ursula Paschke, Chefin der Halle Münsterland, kam in unterschiedlichen Nuancen immer wieder: "Wie viele Unfälle gab es bislang beim Nachtflohmarkt?" Oder: "Frau Paschke, wie viele Opfer des Flohmarktes haben Schadensersatzansprüche gegen die Halle Münsterland gestellt?"
Hintergrund dieser Fragen, die sich gestern Abend wie ein roter Faden durch eine von der SPD organisierte Bürgerversammlung in der Gaststätte "Zum Himmelreich" zog: Paschke nannte Sicherheitsaspekte als den zentralen Grund, weswegen in diesem Jahr der traditionelle Nachtflohmarkt verboten wurde. Als die Hallen-Chefin wiederholt auf die Fragen nicht einging und ganz allgemein ihre Verantwortung als Veranstalterin des Flohmarkts betonte, sagte eine Gegnerin des "neuen" Flohmarktes: "Frau Paschke, Sie sind schlecht vorbereitet."
In der Tat prallten gestern Abend Welten auf einander, als auf der einen Seite von organisatorischen Notwendigkeiten gesprochen wurde und auf der anderen Seite Dutzende Flohmarkt-Fans ihr Leid klagten über Internet-Anmeldung, reglementierte Plätze und vor allem über das Verbot, die Stände bereits am Vorabend aufzubauen.
Sätze wie "das ist nicht mehr unser Flohmarkt", "die Halle Münsterland macht unseren Flohmarkt kaputt", "wir wollen keinen beliebigen Baumarkt-Flohmarkt" oder "es geht uns nicht um das Geschäft, sondern um den Spaß", fielen am laufenden Band. Reihenweise erzählten die Betroffenen von ihrem sehr persönlichen Bezug zum Flohmarkt, von Freunden, die sie dort kennen gelernt haben - und davon, dass sich diese Atmosphäre seit der Umstellung nicht mehr einstelle.
Schwere Vorwürfe gegen die Halle Münsterland erhob auch Edo Schmidt von der Bürgerinitiative "Rettet den Flohmarkt". Die Reglementierung zeuge von einer weitgehenden Unkenntnis über die Selbstorganisation dieses Events. "Es gab eine Community, die jetzt zerstört wird." Schmidt verhehlte nicht, dass es phasenweise Müllprobleme gab. "Die lassen sich aber lösen." So machte ein Teilnehmer der Versammlung den Vorschlag, von allen Flohmarktbeschickern ein Pfand zu kassieren, dass im Falle einer Verunreinigung einbehalten werde.
Horst Werner Koch, der als Vertreter des Ordnungsamtes teilnahm, wies darauf hin, dass der Flohmarkt offiziell erst ab Samstagmorgen erlaubt sei. "Der Nachtflohmarkt hat Flair, aber er ist eine Ordnungswidrigkeit." Der SPD-Fraktionschef Wolfgang Heuer meinte dazu: "Münster kann etwas ordnungswidriges Flair ganz gut gebrauchen."
Klaus Baumeister, Westfälische Nachrichten, 29. Juni 2010
Wenn Sie den Protest unterstützen wollen: www.mb7.de
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