Wolfgang Heuer
SPD
16.07.2010

Wahlkreuz

Flohmarkt-Reform / Neuer Gegenwind: Darf der Veranstalter Regeln ändern?

Tief haben sie gegraben im Stapel der Ratsbeschlüsse, bis zum Februar 1993. Was die SPD-Ratsfraktion dabei zu Tage förderte, wirft ein neues Licht auf die Diskussion um die Flohmarkt-Reformen: Offenbar sind die neuen Gebühren für private Verkäufer auf der Promenade unzulässig.

Zumindest sehen das Fraktionschef Wolfgang Heuer und sein Vize Dr. Michael Jung so. Einer von mehreren Gründen dafür, dass sie den Unmut über die geänderten Flohmarkt-Regeln jetzt offiziell in die Politik tragen wollen. Mit einer klaren Zielvorgabe: „Die Neuregelungen sind dringend reformbedürftig und müssen in Teilen zurückgenommen werden.“

Keine Stand-, sondern eine Anmeldegebühr

Mit dem Beschluss gab der Rat seinerzeit die Zuständigkeit für den Promenadenflohmarkt an die Halle Münsterland. Mit der Auflage, „das bewährte System der standgeldfreien Nutzung“ für den nichtkommerziellen Teil aufrecht zu erhalten. „Das ist nach wie vor gültig und nicht interpretierbar“, so Jung. Auch wenn die Halle die 7,50 Euro, die Hobby-Trödler seit dem Frühjahr berappen müssen, nicht als Stand-, sondern als Anmeldegebühr deklariert.

"Die Halle Münsterland kann nicht selbstständig die Spielregeln ändern", begründet Jung, weshalb sich jetzt der Rat mit den umstrittenen neuen Verfahrensweisen befassen soll. Zu denen gehört auch das Ende des Nachtflohmarkts, das bei Trödel-Fans für den größten Ärger sorgt. „Überhaupt nicht überzeugend“ seien die Gründe dafür, die er von Hallen-Geschäftsführerin Dr. Ursula Paschke gehört habe, sagt Heuer. Etwa, dass im Dunkeln die Sicherheit der Besucher nicht gewährleistet sei: Die Promenade sei beleuchtet, die Randbereiche und Wiesen könne man absperren.

Internet-Anmeldung schließt viele Leute aus

Auch die ausschließliche Anmeldung über das Internet möchte die SPD rückgängig machen. „Das schließt zu viele Leute aus“, findet Heuer. Zugleich räumt er ein, dass das neue Verfahren auch denen, die nicht auf ihrem Wunschplatz campen möchten, eine faire Chance auf einen guten Stand eröffnet.

Weshalb er einen Kompromiss anregt: Definierte Bereiche für Internet-Anmelder und solche, die die alte Methode bevorzugen – und dazu eine Verlagerung der Stände von der Wiese an der LBS auf die Promenade jenseits des Stadtgrabens.

Vorschlag aus der Bürgerversammlung: Pfandsystem

Ein Vorschlag aus der Bürgerversammlung, die die SPD unlängst zum Reizthema abhielt. Dort kam auch die Idee eines Pfandsystems auf, das die Händler bewegen soll, ihren Müll mitzunehmen. Alle Forderungen packen Heuer und Jung jetzt in ein Schreiben, das am heutigen Freitag, einen Tag vor der dritten Auflage des Flohmarktes in diesem Jahr, an Paschke herausgeht. Die sei „Pragmatikerin“ und habe Gesprächsbereitschaft signalisiert, hofft Heuer auf eine einvernehmliche Lösung. Allerdings könnte die wohl erst zur Flohmarkt-Saison 2011 umgesetzt werden.

Jörg Gierse, Münstersche Zeitung, 16.07.2010

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